Manfred Langner sagt Adieu! Abschiedsgedanken:

Dem Leben auf der Spur bleiben...

Manfred Langner (c) Fachstelle f. Exerzitien im Bistum Aachen
Manfred Langner

DEM LEBEN AUF DER SPUR BLEIBEN
Abschiedsgedanken von Manfred Langner

Ein Satz, der es in sich hat …
Eine bedeutsame Spur in meinem Leben
legte mir unser verstorbener Bischof Klaus Hemmerle.
Ich erinnere mich immer wieder gerne an eine Begegnung im Advent 1988. Wir sprachen miteinander über meinen Wunsch,
langfristig als (hauptamtlicher) Laie in der Exerzitienseelsorge mitwirken zu dürfen. Beim Abschied schenkte er mir sein Buch über das Beten.
„Ich glaube, es kann Sie auf Ihrem Weg begleiten.
Wenn Sie möchten, schreibe ich Ihnen gerne etwas hinein.“
Da liegt nun wieder sein Buch
DEIN HERZ AN GOTTES OHR – EINÜBUNG INS GEBET vor mir.

Ich schlage es auf und lese seine Widmung:
„Von innen die Neue Stadt bauen“.
Sechs Worte, mit denen alles gesagt ist.
Um das Bauen der Neuen Stadt Jerusalem
(vgl. Offb 21,1-5),
der Stadt auf dem Berge
(vgl. Mt 5,14),
dem Haus mit den vielen Wohnungen
(vgl. Joh 14,2)
geht es bei unserem ganzen Tun. Oder sollte es!
Davon war Bischof Hemmerle zeitlebens zutiefst überzeugt gewesen.
Und dazu braucht es auch und vor allem die Bewegung von innen,
sonst bauen wir auf Sand und
versinken in unserem selbstgemachten (innerkirchlichen) Getriebe.

Immer wieder hat er uns Mut gemacht,
so wie wir sind, ob Künstler oder Arbeiterpriester,
ob (hauptamtlicher) Laie oder Priester,
ob Mann oder Frau, Kind oder Jugendlicher,
sich einzubringen, um in „Weg-Gemeinschaft“ und in ökumenischer Weite Kirche für die Welt und in „der Welt von heute“ zu bauen:
von innen nach außen.

Ein Glaube, der die Erde liebt …
Immer noch hochaktuell liest sich dazu
die
grundsätzliche Neubestimmung des Verhältnisses von Kirche und Welt im Zweiten Vaticanum im Dokument
DIE PASTORALE KONSTITUTION ÜBER DIE KIRCHE IN DER WELT VON HEUTE „GAUDIUM ET SPES“
. Dass das Konzil acht Textfassungen erarbeiten musste, um am Ende die pastorale Konstitution am 7. Dezember 1965 mit überwältigender Mehrheit feierlich verkünden zu können,
spricht auch heute noch für sich. Das sogenannte „Aggiornamento“,
die „Verheutigung“ des Evangeliums unter den „Zeichen der Zeit“

(
Johannes XXIII.) ist eine bleibende Herausforderung der Kirche(n)
und jeder Christin und jedes Christen.
Der Konzilstheologe Karl Rahner hat es einmal so formuliert:
„Es geht um einen Glauben, der die Erde liebt.“

In der Sprache der Exerzitien, der Geistlichen Übungen,
gibt es für diese grundsätzliche Verhältnisbestimmung von Welt und Kirche und umgekehrt das zarte geistliche Wort:
„Gott umarmt uns durch die Wirklichkeit“.

Ja, (ignatianische) Spiritualität lädt geradezu dazu ein,
sich von der Wirklichkeit umarmen zu lassen und die Wirklichkeit zu umarmen, auch wenn sie zuweilen rau,
abstoßend und rätselhaft ist und bleibt.
(nach Willi Lambert SJ)
Wirklich befreiende und lebendige Spiritualität ist deshalb immer im wahrsten Sinne des Wortes geerdete Spiritualität, die offen bleibt für den Himmel, der über allen aufgeht. (Wilhelm Willms)
Einer solchen Spiritualität „auf die Beine zu helfen“,
das war und ist immer unser gemeinsames Verständnis
in der Fachstelle für Exerzitienarbeit gewesen.
Adieu und Danke …
Mit der 30. Ausgabe des Aachener Exerzitienkalenders Reife=Zeiten,
die im Juli erscheinen wird, verabschiede ich mich nun ganz herzlich
von Ihnen nach 39 Jahren Pastoralen Dienstes im Bistum Aachen
zum 1. August in den Ruhestand.

Ich danke Ihnen für all die Treue und das vielfältige und fruchtbare Miteinander in der Exerzitienarbeit der letzten 27 Jahre,
in denen wir gemeinsam versucht haben auf unterschiedlichste Weise
„von innen nach außen zu bauen“.

Es war für mich eine herausfordernde und bereichernde Zeit,
auf die ich erfüllt und mit großer Dankbarkeit zurückschaue!
Auch auf die Vielen, die mich zum Pastoralarbeiter ausgebildet und auf dem Berufsweg bereichernd und inspirierend begleitet haben. Und mit denen ich
kreativ, fruchtbar und menschlich zugewandt zusammenarbeiten konnte.

An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich Frau Veronika Bünger danken,
die das Sekretariat der Fachstelle für Exerzitienarbeit über 15 Jahre
kompetent und zuverlässig geleitet hat. Dafür ein herzliches „Vergelt’s Gott!” Und für Ihren neuen Lebensabschnitt Gottes treuen Segen.
Genauso möchte ich mich auch bei Frau Brigitte Erm bedanken,
die als Aachener Designerin und Künstlerin über 20 Jahre den Exerzitienkalender und alle unsere Publikationen so kunstvoll gestaltet hat.

Willkommen …
Herzlich willkommen gilt Herrn Willi Acker, der sich seit Januar
2020 mit großem Engagement um die Verwaltung unserer Fachstelle kümmert.
Und zum 01.12.2020 darf ich Ihnen mit großer Freude Pastoralreferent Patrick Wirges als meinen Nachfolger ankündigen, der zusammen mit Pastoralreferentin Gabriele Löser-Widua und Pfarrer Frank Reyans, der in der Übergangszeit die kommissarische Leitung wahrnehmen wird, die Exerzitienseelsorge kreativ weiterentwickeln wird:
von innen nach außen. Auf gute, gemeinsame, gesegnete Jahre!

was ich Ihnen wünsche
Ich wünsche Ihnen auch weiterhin Mut zur Stille,
zur Unterbrechung,
zu neuen Wegen,
zu kleinen und großen Aufbrüchen,
die wachsen und reifen lassen unter Seinem Segen.
Ja, wagen wir immer neu - unter den „Zeichen der Zeit“ -
„einen Glauben, der die Erde liebt“.

Bleiben Sie alle gut behütet und weiter dem Leben auf der Spur!
Und - bleiben Sie der Exerzitienarbeit verbunden!

Ihr
und euer
Manfred Langner, Pastoralreferent, Leiter der Fachstelle für Exerzitienarbeit