Pfingstgruß der Fachstelle

Wind und Meer (c) W. Acker
Wind und Meer
Gedanken zum Pfingstfest

In immer neuen Bildern wird der Heilige Geist in der Pfingstsequenz und im Pfingsthymnus geschildert. Nur Bilder sind fähig, den vielleicht manchmal abstrakt erscheinenden Geist anschaulich zu machen. Dogmatische Aussagen erreichen uns kaum. Und viele können heute mit Pfingsten nicht viel anfangen, weil ihnen der Heilige Geist so unfassbar erscheint. Vielleicht können uns die Bilder der Liturgie wieder einen neuen Zugang ermöglichen.

Ein Bild, mit dem schon die Heilige Schrift das Geheimnis des Heiligen Geistes zu fassen sucht, ist das des Windes:

Der hl. Augustinus schreibt:

„Eines der geheimnisvollsten Wesen in der Schöpfung ist der Wind – dieser Unsichtbare, unbegreifbar, launisch Unberechenbare – wild wie ein Krieger, übermütig wie ein Knabe und zart wie ein Liebender – bald Sturm, bald linder Hauch. Er heult im Gebirge, peitscht das Meer, entwurzelt Bäume, biegt das Geschmeidige, bricht das Starre.

Ja, geheimnisvoll ist der Wind. Ein Gegenwärtiger, den man nicht sieht, der nur erkennbar ist an Stimme und Wirkung: an seinem Sausen, Brausen, Brüllen, Tosen, Singen und Säuseln, am wehenden Hauch, der uns Stirn und Wangen kühlt, am Zittern der Zweige und Blätter, am Staub, den er wirbelt, an den Wolken, die er jagt. Er selbst aber bleibt dem Auge verborgen, obwohl wir ihn fühlen: ein Sichregen und Strömen der Luft, das antreibt und bewegt, was es kann.“

Ein starkes Bild – der Wind, der Sturm…, dass daran unser irdisches Leben hängt, das erfahren wir sozusagen schon seit unserem erstem Atemzug, lange bevor unsere Vernunft es weiß. Luft und Wind sind unser unentbehrliches Lebenselement, in dem wir atmen und uns bewegen. Wind und Luft tragen uns die Wellen des Lichts, des Klanges und des Duftes zu; wir brauchen sie, damit unsere Worte gehört werden können. Die Luft ist wirklich unser „Lebenshauch“.

Luft und Wind gelten seit dem Alten Testament als Lebensatem Jahwes, wohltuender Hauch seines Mundes, der alles belebt und beseelt, in dessen Rhythmus die ganze Schöpfung schwingt.

Nicht von ungefähr also offenbart sich an Pfingsten der Heilige Geist den Jüngern als brausender Sturmwind – er, der schon im ersten Anfang als lebenszeugender Windhauch, als machtvoller Atem Gottes über der jungen Schöpfung schwebt, er, um den wir bitten, wenn wir singen: „Sende aus deinen Geist, hauche deinen Atem – und das Antlitz der Erde wird neu“ (Ps 104,30).

Um an Pfingsten etwas vom Heiligen Geist in sich zu spüren, könnte es hilfreich sein, sich einfach einmal in den Wind zu stellen, die Augen zu schließen und mit allen Sinnen den Wind wahrzunehmen, wie er zärtlich über die Wange streicht, wie er einen kräftig durchweht, wie er einen in Bewegung bringt. Wer den Wind als Symbol für den Gottesgeist versteht, der kann unmittelbar im Wehen des Windes Gottes Geist spüren. Es ist nicht bloß Einbildung, sondern Realität. Der Geist Gottes ist ja im Wind, er ist in diesem Augenblick, da der Wind mich durchweht, in mir, er reinigt und belebt mich, er streichelt und liebkost mich. Im Wind spüre ich das Leben der Natur, aber zugleich erfahre ich in ihm auch das Leben des Heiligen Geistes, ja den Heiligen Geist selbst.

(Vergl. Anselm Grün, Heilendes Kirchenjahr)